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Warum haben es gerade diese Autoren in die Shortlist geschafft?
Eine Frage, die unsere Berg.Welten-Jury Jahr für Jahr beantworten muss. Wenn Sie die Jurybegründungen für die Top 5 von Berg.Welten 2010 interessieren, dann lesen Sie doch die Kommentare der Damen und Herren zu den einzelnen Beiträgen. Außerdem können Sie sich auf diesen Seiten durch exzellenten Reisejournalismus blättern. Alle Autorinnen und Autoren, die in die Shortlists von Berg.Welten gereiht wurden, stellen sich hier und auf den folgenden Seiten vor.
mehr zu Lars Abromeit
Beinlos klettern
GEO, 17. Dezember 2010
mehr zu Lars Abromeit
Geboren 1974 in Berlin, hat Rechtswissenschaften und Biologie studiert und als freier Autor unter anderem für die „Berliner Zeitung“, „Merian“ und die „taz“ geschrieben. Nach dem Ersten Juristischen Staatsexamen besuchte er die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg. Seit Juli 2002 ist Lars Abromeit als Redakteur und Reporter bei GEO, seit 2006 dort verantwortlich für Abenteuer- und Expeditionsthemen. Für seine Arbeit wurde er mit dem „Axel-Springer-Preis”, dem „Medienpreis Entwicklungspolitik” und dem „Henri-Nannen-Preis“ ausgezeichnet.
"Ein Text, bei dem man nicht unbeteiligt bleiben kann. Was als relativ harmlose Reportage über die wissenschaftlichen Forschungen eines Biophysikers beginnt, bekommt eine ungleich größere Dramatik, wenn deutlich wird, dass der Professor beide Unterschenkel bei einem Bergunfall verloren hat und all seine Energien in die Entwicklung von Prothesen und biomechanischen Apparaten steckt, welche die menschliche Anatomie nicht nur ersetzen, sondern sogar verbessern können. Der Leser bleibt mit Fragen zurück: Wohin führt uns die Technik? Ist der Mensch durch Maschinen ersetzbar? Ist Behinderung durch Technik „reparierbar“? Ist Hugh Herr genial oder ein Getriebener? Tolles Thema, das seinen Anlass in den Bergen hat, aber weit über sie hinausweist."

"Fast unglaublich der Fall, den uns Lars Abromeit erzählt: „Beinlos klettern“, die bizarre Überlebensgeschichte eines amerikanischen Alpinisten, der heute mit computergesteuerten Beinprothesen seiner Leidenschaft frönt. Kühl und fast wie beiläufig aufgezeichnet, lässt uns dieser Text eine schaurig-schöne Zukunft erahnen: die Verwandlung des Gipfelgehers zum Gecko, die high-technische Apotheose des Bergsteigens."

"Ein Text, der auf meisterhafte Weise Staunen und Fürchten lehrt, der die Schwebe hält zwischen Faszination und Beklemmung und damit die Frage aufwirft nach Zukunft und Grenzen des Machbaren. Begegnen wir hier dem neuen, besseren Menschen oder stehen wir vor dem „Frankenstein“ des einundzwanzigsten Jahrhundert? Dass diese Frage offen bleibt, gibt dem Text Souveränität."

"Lars Abromeit beschreibt in seinem kurzweiligen Text „Beinlos Klettern“ einen Professor am MIT (Massachusets Institute of Technology), der aus einer Jugendtorheit sein Lebensthema entwickelt hat: Er verlor bei einem Kletterabenteuer seine Beine und arbeitet seither daran, Prothesen zu entwickeln, die seine Beine ersetzen. Immerhin klettert der Professor vor den Augen des Autors behände eine Wand hinauf."

"Vom Krüppel zur Menschmaschine: ein faszinierendes Porträt eines Mannes, der die eigenen Grenzen und vielleicht gar jene der Menschheit auslotet."
Beinlos klettern, erschienen in "GEO", 17. Dezember 2010
mehr zu Jakob Strobel y Serra
Schwarz ist der Kaviar, weiß ist der Schnee
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Januar 2010
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Jakob Strobel y Serra wurde am 15. Februar 1966 in Bonn geboren. Nach dem Abitur studierte er Spanisch und Geschichte an der Freien Universität Berlin. Ein Jahr lang arbeitete er als Stipendiat des DAAD im Archivo General de Indias in Sevilla über die Piraterie im spanischen Transatlantikhandel des 16. Jahrhunderts. Während des Studiums schrieb er als freier Mitarbeiter für verschiedene Tageszeitungen, war für das ZDF in dessen Madrider Studio und das katalanische Fernsehen in Barcelona, der Heimatstadt seiner Mutter tätig. Dem Examen schloss sich ein mehrmonatiger Aufenthalt in Mexiko an, wo er für ein Wirtschaftsmagazin arbeitete. Im Oktober 1993 begann er ein Volontariat bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und wurde danach Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Anfang 1997 wechselte er in das Reiseblatt der F.A.Z. Dort kümmert er sich vor allem um die spanischsprachigen Länder.
"Hingehen (nach St. Moritz), anschauen (den Luxus im Dorf, die Sportstätten im Tal und auf den beiden umgebenden Bergketten), zuhören (einem ehemaligen Bobfahrer, dem Chef der Sportveranstaltungen), darüber schreiben. Der Autor verwendet die klassischen Mittel der Reportage, und er beherrscht sie, ebenso wie die Sprache, perfekt. Er lotet aus, was St. Moritz abseits des absurden Luxus-Gehabes noch zu bieten hat, nämlich erstklassige Skierlebnisse und winterliche Einsamkeit, und er tut das auf sehr unterhaltsame Weise."

"St. Moritz rauf und runter und darüber hinaus. Alles schon oft gelesen, und dann lässt man sich von dem routinierten Causeur Strobel y Serra doch noch mal in diese luxusverwahrloste Winterkulisse der obersten sozialen Randgruppen verführen. In impressionistischem f-dur, in FAZ-dur, das routiniert und spielerisch hält, was es verspricht: Lesegenuss ohne Reue."

"Mit großer Eleganz unterwindet sich Jakob Strobel y Serra in „Schwarz ist der Kaviar, weiß ist der Schnee“ der schwierigen Aufgabe, eine klassische Reportage über einen mehr als klassischen Skiort, nämlich St. Moritz, zu schreiben. Originell formuliert, schildert er das Verrückte am Reichsein, dem man in St. Moritz auf Schritt und Tritt begegnet – ohne dabei das Eigentliche, nämlich das Skifahren, aus den Augen zu verlieren."

"Ein meisterhaftes Porträt einer klischeeverklebten Siedlung und der Bergwelt darum herum, auf die man nach diesem Text wieder klar sieht."
Schwarz wie der Kaviar weiß wie der Schnee, erschienen in "Frankfurter Allgemeine Zeitung", 28. Januar 2010
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Goldmedaillen gegen das Vergessen
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Februar 2010
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Geboren 1975 in Marburg, aufgewachsen im badischen Waldshut-Tiengen und in Istanbul, wo sie Abitur machte. Studium der Geschichtswissenschaft, Soziologie und Romanistik in Bielefeld, Berlin und Bordeaux, danach Mitglied im Bielefelder Graduiertenkolleg für Sozialgeschichte. Längere Forschungsaufenthalte in Afrika, mehrere Veröffentlichungen über den ruandischen Genozid. In Berlin war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt-Universität in einem Projekt zu Afrikas Geschichte und Gegenwart. Sie schrieb als freie Journalistin für verschiedene Zeitungen, war von 2006 bis 2008 Volontärin bei der F.A.Z. und ist dort seit April 2008 Redakteurin im Feuilleton und im Reiseblatt. Im Jahr 2010 wurde sie mit dem „Axel Springer-Preis für junge Journalisten“ geehrt.
"Der ernsthafteste Beitrag innerhalb der Vorauswahl. Karen Krüger sucht die ehemaligen Wettkampfstätten der bosnischen Hauptstadt Sarajevo auf, spricht mit dem Direktor des Olympischen Museums, einer Passantin, einem Taxifahrer, einem pensionierten Sportreporter. Kindheitserinnerungen von Fernsehübertragungen der Olympischen Winterspiele 1984 vermischen sich mit brutalen Bildern von Krieg und Belagerung in den Jahren 1992 bis 1996 und mit nüchternen Aufzählungen von Opferzahlen. Gerade durch ihre Sachlichkeit geht die Darstellung unter die Haut; mit dem Vergleich der Friedhofsstelen mit gefüllten Zuschauerrängen gelingt der Autorin ein sehr eindrückliches Bild."

"Eine Berg.Welten-Geschichte der besonderen Art und mit einem außergewöhnlichen Ansatz. Sehr persönlich und anrührend beschreibt Karen Krüger das Doppelgesicht der Berge rund um Sarajewo: als Austragungsorte der Olympischen Winterspiele – und als Schau- und Schießplätze des Balkankrieges. Stilsicher und unpathetisch gelingt es ihr, ein verdrängtes und vergessenes Drama neu in unseren Blick zu rücken."

"Eine Erinnerungsreportage, die Partei ergreift und dabei Sentiment nicht scheut. Bergwelt wird zur Kampfzone. Ein sprachmächtiger politscher Text, der den Blick auf ein verdrängtes Kapitel jüngster Geschichte richtet."

"Karen Krüger entwirft in „Goldmedaillen gegen das Vergessen“ das Porträt der bosnischen Hauptstadt Sarajewo: Sie kontrastiert das Sarajewo der Hoffnung und des Aufbruchs zur Zeit der Olympischen Spiele 1984 mit der heutigen Stadt, die noch immer im Kriegsschock verharrt. Persönliche Erinnerungen der Autorin an die Strahlkraft der Spiele lassen die Stadt heute in einem nachdenklich stimmenden, düsteren Licht erscheinen."

"Gefühlvoller politischer Reisejournalismus, der daran erinnert, dass die Düsternis noch in Europa wohnt."
Goldmedaillen gegen das Vergessen, erschienen in "Frankfurter Allgemeine Zeitung", 4. Februar 2010
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Das Sterne-Camp
GEO Special, 1. Dezember 2010
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Jahrgang 1971, aufgewachsen im westfälischen Lemgo, Journalistik-Studium in Dortmund, mehrmonatige Auslandaufenthalte in eher hügeligen als bergreichen Regionen (Australien, Finnland), seit 2003 Redakteur mit wechselnden Stationen in der GEO-Familie.
"Ein ganzes Kabinett schräger Gestalten bevölkert das Basislager auf der Everest-Südseite. Gnadenlos, aber auch nicht ohne Sympathie beschreibt Markus Wolff die Expeditionsteilnehmer und ihren Leiter Russell Brice, die Hoffnungen der Ersteren (auf dem Gipfel zu stehen) und die Sorgen des Letzteren (bloß keine Leiche, die wäre schlecht fürs Geschäft und kostet Geld). Der Einblick ins Lagerleben und seine (auch finanziellen) Mechanismen ist überraschend, absurd, witzig und traurig zugleich, in jedem Fall aber vergnüglich zu lesen."

"Wer hätte jemals gedacht, dass der Alpinismus zu einer soziologischen Versuchsanordnung werden könnte? Zu einer Art LD-50-Test der psycho-sozialen Leistungsfähigkeit. Das Basislager des Mount Everest ist solch ein Ort und Markus Wolff beschreibt ihn und seine verbissenen Akteure mit der Präzision eines Ameisenforschers, der in sein Mikroskop schaut."

"Ein mit Ironie geschriebener Text, der das beinharte, letztlich zynische Geschäft mit Sensationslust und deren Grenzen ohne erhobenen Zeigefinger beschreibt. Wir erleben das Basecamp des höchsten Berges der Welt als Jahrmarkt der Eitelkeit, auf dem Geld fast – aber eben nur fast – alles gilt."

"Mit Witz und Genauigkeit liefert Markus Wolff in „Das Sterne-Camp“ einen atmosphärisch dichten Bericht von den stets gut besuchten Basis-Lagern am Mount Everest. Gleichmütig schildert er, wer sich alles am Fuß des höchsten Berges der Welt tummelt, wem der Veranstalter Chancen auf den Gipfelsieg gibt und wie manches am Ende ganz anders kommt als selbst die sich allmächtig wähnenden Reiseveranstalter meinen."

"Eine Expedition auf den Gipfel der Dienstleistungsgesellschaft. Für Geld gibt es unterhalb des Everest wirklich alles. Manchmal gar den Tod."
Das Sterne-Camp, erschienen in "GEO Special", 1. Dezember 2010