Kommentare der Jury zur Shortlist 2011
Jedes Jahr gibt es einen Tag im Kalender des Berg.Welten Teams, der dunkelrot angestrichen wird. Die Jurysitzung – der Tag der Entscheidung. Anschließend steht sie/er fest. Die Gewinnerin / der Gewinner von Berg.Welten. Auch heuer tagten wieder zwei Juryteams, galt es doch die Besten der Besten aus dem deutschsprachigen Reisejournalismus sowie „Das beste Bergfoto des Jahres“ zu finden. Das ist uns gelungen und wir freuen uns, Ihnen die Top 5 der jeweiligen Kategorie präsentieren zu dürfen.
86 Artikel wurden von Vorjury und Jury von Berg.Welten.Wort genauestens unter die Lupe genommen und anlässlich einer Jurysitzung im März 2012 diskutiert und bewertet. Ihre Auswahl der fünf Besten sehen Sie unten. Während Berg.Welten.Wort nur einen Artikel pro Teilnehmer erlaubt, ist es bei Berg.Welten.Bild möglich, pro Einreichung bis zu 3 Fotos in den Bewerb zu senden. 53 FotografInnen sorgten mit 135 Fotos für eine reiche Bildausbeute, die von der 3-köpfigen Bildjury bei einer Sitzung in Innsbruck auf ebenfalls Top 5 kondensiert wurde.
Die Juroren sind nicht nur angetan von der spannenden Erzählung, sondern auch von der „meisterhaften und glaubwürdigen Rekonstruktion“ und von der „umfangreichen Recherche“ in Tom Dauers Text Wie viel ein Leben kosten darf (GEO, Dezember 2011) „Der Text ist spannend wie ein Krimi und berührt eine wichtige Grundfrage“, „die Reportage … packt den Leser von der ersten Zeile an.“ „Tom Dauer … hat den vielschichtigen Stoff in angemessen sachlichem Ton gekonnt aufbereitet und zeichnet sich durch ein großes Einfühlungsvermögen in seine Protagonisten aus.“ Auch Sie werden fasziniert sein von dieser Reportage, die eine menschliche Tragödie schildert und gleichzeitig wesentliche Gedanken zum Alpinismus der heutigen Zeit aufwirft.

Den Artikel von Christine Hohwieler bezeichnen die Juroren als „atmosphärisch dichtes Bild eines einmaligen Bergabenteuers“, als „klassische, gut geschriebene Ich-Reportage.“ An Frauengipfel (Brigitte Woman, Oktober 2011) loben sie den „sympathisch entromantisierenden Blick auf die lebenspraktischen Umstände der Bergsteigerei“ und dass die Autorin „trotz des extremsportlichen Themas auf Adrenalin-Rhetorik verzichtet“ sowie „eine wohltuende Distanz zum eigenen Tun“ wahrt.

Als „sympathische Geschichte mit hohem Identifikationspotenzial für junge Eltern“, als „gut geschriebenen, heiter-ironischen Text“ und „kleine Geschichte, die dank der Kunst des Autors zu einer wunderbaren, charmanten Geschichte“ wird, beschreibt die Jury Ein Keks für hundert Höhenmeter, den Beitrag von Jörn Klare (Frankfurter Allgemeine Zeitung, November 2011). Den Juroren gefallen „Selbstironie, Humor und Liebe“ Ihrer Erzählung. „Wer je die Frage ‚Wie weit ist es noch?‘ beantwortet hat, wird diesen Text mit großer Freude lesen.“

Bei Elke Michels Artikel Immer der Nadel nach (Die ZEIT, Oktober 2011) sprechen die Juroren von einer „humorvollen, gut beobachteten Reportage“, von „Sprachwitz, fantasievollen Bildern …“ und von einer „originellen Idee“. Der Text wirke „leichtfüßig und elegant und bringt doch viele neue … Informationen über das Land, von dem er handelt.“ „Herauskommt … nicht nur ein kleiner Pullover, sondern ein unterhaltsamer Text, der die Vulkane Islands als Reiseziel darstellt.“

Ein „gelungener Einblick in eine skurrile Urlaubswelt, in der ein Hotelzimmer mit Blick auf Bahngleise mehr wert ist als die Aussicht auf Bergpanorama.“ Bei Kati Thielitz‘ Geschichte Ein Dorf sieht rot (Süddeutsche Zeitung, Dezember 2011) sind die Juroren beeindruckt von ihrer „Liebeserklärung an die Rhätische Bahn“ und loben: „Die Autorin bewahrt die richtige Distanz … und macht sich nicht über die ‚Pufferküsser‘ lustig.“ Dieser ungewöhnliche Blick auf den Tourismus in den Bergen mache auch „für den bahnfernen Leser die Leidenschaft spürbar.“
„Natürlich braucht man auch eine Portion Glück, um eine derart perfekte Gewitterzeile – inklusive Blitz – am Nachthimmel zu erleben. Sie aber derart in Szene zu setzen … verlangt fotografisches Fachwissen und kreatives Gespür.“ Bei Stefan Gimpls Bild Heimat (Joy – Mit dem Snowboard um die Welt, Dezember 2011) spricht die Jury von einer „beachtenswerten Aufnahme“, von „dramatischer Fotografie“ und davon, dass der richtige Moment in der Fotografie mit „Beharrlichkeit, Erfahrung und Können“ zu tun habe.

„Dieses Bild fasziniert durch seine bestechende Klarheit … sowie wunderbare Kontraste.“ An Peter von Felberts Foto Schneeweiss (See Magazin, Juni 2011) loben die Juroren die „interessante grafische Komposition“, die „ruhige Ästhetik“ und die „bezaubernden grafischen Reize“. Das Foto, das laut Jury „keine Worte braucht“, “spricht eine fotografisch klare Sprache, ohne kritisch zu sein.“ Die Juroren waren fasziniert von der Art, Technik, Landschaft und Mensch auf das Wesentliche zu reduzieren und dabei Geschichten im Kopf des Betrachters entstehen zu lassen.

„Das Foto könnte auch aus dem legendären Schwarzweiß-Band von Jürgen Winkler ‚Aus den Bergen‘ stammen.“ Bei der angesprochenen Aufnahme handelt es sich um Philipp Horaks Wettbewerbsbeitrag Das neue Kreuz der Wildspitze (Wildspitze, Jänner 2011). Die Jury befindet „Ausschnitt und Bildkomposition sind gekonnt gewählt“ und ist von der „Spannung zwischen kunsthistorischer Tradition und moderner Technik“ sehr angetan. Dadurch ergäben sich interessante Fragen über unser Verhältnis zu Natur und Technik.

„Das bewusste Übersteilen der Gipfel durch aufwändige Bildbearbeitung macht dieses Bild zu einem Eyecatcher.“ Michael Najjars künstlerische Fotografie High Altitude (High Altitude, Dezember 2011) begeisterte die Jury. „Najjar überträgt die Erfahrung am Berg, die Abenteuerlust und Risikobereitschaft, umstandslos auf das Verhalten auf dem Börsenparkett.“ Die Jury ist von diesem „gelungenen fotografischen Bergkunstwerk“ fasziniert und hebt die „erzählende Wirkung“ sowie die „zwei Wirklichkeiten“, die sich im Bild verbergen, hervor. „Najjar zeigt das Sublime im Zeitalter einer allmächtig gewordenen Wirtschaft …“

„Man spürt sie fast, die Stille der Nacht,“ heißt es bei der Kritik, wenn es um Olaf Unverzarts Fotografie The Idea of Sublime (Tank Magazine, Herbst 2011) geht. Von „dezenter Dynamik“ und gleichzeitig „Kraft und Stärke“ ist die Rede. Und davon, dass die von ihm fotografierte Bergwelt eine „gespenstische Ruhe“ ausstrahlt, es aber scheint, „als übernähmen die Berge nachts die Rolle von Wächtern.“ Der „Mythos vom Berg als lebendem Wesen“ beeindruckte die Juroren sehr.